Baugebiet am Gremmendorfer Weg – die Entscheidungen

Dr. Martin Kemper sendet uns einen Leserbrief an die Westfälischen Nachrichten, in dem er über Bürgerwille, Sachinformationen und die Umstände nachdenkt, unter denen politische Entscheidungen getroffen werden:


„Die Entscheidung mag das Ergebnis der Überlegung sein, aber sie beendet gleichzeitig die Überlegung, sie schließt die Überlegung aus.“

Dieses Zitat des Physikers Werner Heisenberg mag verdeutlichen, unter welchen Zwängen politische Entscheidungen gefällt werden. Das geplante Baugebiet am Gremmendorfer Weg ist ein eklatantes Beispiel dafür. Die Entscheidung für dieses Baugebiet ist offensichtlich lange vor der Bezirksvertreterversammlung, lange vor der Ratssitzung am 25. März und lange vor den Sitzungen der Ausschüsse gefallen. Überlegungen ob der Richtigkeit der Entscheidung werden nicht mehr angestellt. Alternativen werden nicht betrachtet. Die vielen leerstehenden Wohngebäude der Briten in Gremmendorf interessieren nicht. Die energischen Proteste von über 1200 Gremmendorfer Bürgern bleiben ungehört.

Der vom Hochwasser überflutete Acker ist kein „festgesetztes Überschwemmungsgebiet“. Hält sich der Loddenbach daran? Diese und andere Kuriositäten der Beschlussvorlage sind die sachliche Basis, eine Entscheidung zur endgültigen Vernichtung von Naturflächen zu fällen. Das bisherige Baumgutachten für die alten Bäume am Gremmendorfer Weg bescheinigt, dass 50 von 65 Bäumen in ihrer Standfestigkeit geschädigt werden. Ein neues Gutachten zur überarbeiteten Planung liegt nicht vor. Der BUND hat das Baugebiet vehement abgelehnt. Diese Informationen hat man in der Beschlussvorlage gar nicht erst erwähnt.

Die politischen Entscheidungen im Wochentakt sorgen für weiteren Unmut. Wollte man die Entscheidung per Kraftakt „durchwinken“? Muss man das Baulandprogramm um jeden Preis vor den Karren spannen?

Die Politik ist anscheinend nicht an Fakten und auch nicht an der Meinung der Bürger interessiert. Der Bürgerwille und Sachinformationen sind kein Teil der Überlegung. Mögen die von uns gewählten Ratsfrauen und -herren eine überlegte Entscheidung fällen!

Dr. Martin Kemper, Böddingheideweg

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