Antrag abgelehnt

36 Gremmendorfer waren dem Aufruf der Bürgerinitiative gefolgt und zur Sitzung der Bezirksvertretung Münster-Südost erschienen. Sie wollten dabei sein, wenn die Bezirksvertreter über den Antrag von Birgit Hemecker (Piraten) beschließen, die Planungen zur Bebauung des Beckamp und zum Ausbau des Gremmendorfer Weges vorerst ruhen zu lassen.

Zu Beginn der Sitzung stelle Frau Hemecker außerdem den Antrag, den Bürgern Gelegenheit zu geben, ihre Sorgen wegen des Bauvorhabens noch einmal vorzutragen. Dagegen brachten Vertreter von CDU und SPD zunächst Bedenken vor: Man habe die Argumente der Bürgerinitiative bereits gehört; es fehle die Unterstützung der Verwaltung; es läge noch keine Stellungnahme vom Vorhabenträger vor. Bezirksbürgermeister Rolf-Dieter Schönlau machte darauf aufmerksam, dass es nicht in der Macht der Bezirksvertretung läge, einen Bebauungsplan ruhen zu lassen. Man könne bestenfalls eine Anregung an den Rat geben. Schließlich beschlossen die Bezirksvertreter, einen Sprecher der Bürgerinitiative anzuhören, jedoch keine Fragen der Bürger zuzulassen.

Nachdem Dr. Helga Kreft-Kettermann vom Amt für Stadtentwicklung die Bevölkerungsprognose für den Zeitraum 2013 – 2020 erläutert hatte, unterbrachen die Bezirksvertreter die Sitzung und gaben dem Autor fünf Minuten Redezeit, die dieser nutzte, um die Gedanken vorzutragen, die hier bereits unter dem Beitrag „Schönes, neues Gremmendorf“ veröffentlicht sind. Birgit Hemeckers Erklärung zur Unterstützung ihres Antrages geben wir am Ende dieses Beitrages wieder.

Vor der folgenden Abstimmung gab CDU-Ratsherr Andreas Nicklas noch zu bedenken, dass es kontraproduktiv sei, die Arbeit der Verwaltung zu blockieren, da man von dieser schließlich Antworten auf die Bedenken erwarte, die bei der Bürgeranhörung vorgebracht wurden. Schließlich lehnten die Bezirksvertreter mit den Stimmen von CDU, FDP und SPD den Antrag der Piratin ab, die Vertreter der Grünen enthielten sich der Stimme. Alle Fraktionen und Einzelvertreter gaben zu Protokoll, dass die Verwaltung gebeten werde, ein Zeitfenster anzugeben, wann mit der Beantwortung der Fragen zu rechnen sei, die bei der Bürgeranhörung aufgeworfen wurden.


Erklärung von Birgit Hemecker

Ich möchte zu meinem Antrag nachfolgende Erklärung verlesen und zu Protokoll geben. Ich verzichte dabei bewusst auf die Aufzählung der unzähligen Kritikpunkte zum geplanten Baugebiet, die allein schon ausreichen sollten, meinen Antrag zu unterstützen und die bereits vielfach angesprochen wurden. Stattdessen möchte ich den Fokus auf eine grundsätzliche Fragestellung werfen, die uns alle, als gewählte Vertreter in Münster, bewegen und deren Beantwortung jenseits von tagespolitischem Aktionismus liegen sollte.

Im Jahre 2004 erhielt Münster den sog. LivCom-Award als lebenswerteste Stadt der Welt in der Kategorie der mittleren Großstädte. Kriterien bei dieser Entscheidung waren für die Jury die folgenden Punkte:

  1. Verbesserung der Landschaft
  2. Gestaltung des historischen Erbes
  3. Umweltbewusstes Leben
  4. Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger
  5. Integrierte Zukunftsplanung

Der gewissenhafte Umgang bei der Umsetzung dieser Punkte, ist der Grund, warum so viele Menschen hier in Münster wohnen wollen. Man kann auch sagen, die Leute kommen hierher und fühlen sich hier wohl, weil Münster immer noch als ein großes, gemütliches Dorf begriffen wird und auch die Stadtteile sich ihren dörflichen Charakter bewahrt haben.

Dörfer sind immer dann lebendig, wenn jedes Haus – sicherlich im Rahmen bestimmter Vorgaben – dennoch individuell von seinen Eigentümern und Bewohnern geplant und gebaut wird.  Jedes Haus hat eine andere Handschrift. Im Gegensatz dazu zerstören Investorenprojekte, die am Reißbrett entworfen werden, jede Bindung der Bewohner zu ihrem Stadtteil, sie sind schlichtweg seelenlos.

Dazu kommt in Gremmendorf die schöne alte, noch intakte Dorfstraße, der Gremmendorfer Weg, die Keimzelle Gremmendorfs. Sie strahlt den Charme des – noch – dörflichen Charakters Gremmendorfs aus, den die alten Einwohner so lieben und der die Neubürger magisch anzieht.

Die Veränderungen, die durch das angedachte Baugebiet „Beckamp“ drohen, betreffen nicht nur die Anwohner, sondern alle Gremmendorfer, wie man aus den Unterschriftenlisten und der großen Beteiligung bei der Bürgeranhörung sieht. Alle kämpfen für den Erhalt dessen, was Gremmendorf ausmacht. Man kann das Baugebiet nicht anbinden, ohne den geschichtsträchtigen Stadtteil zu zerstören. Die historisch gewachsene Dorfstraße ist nicht ersetzbar, keine Ausgleichsfläche kann diesen Schaden wieder gutmachen.

Sicherlich kann man sagen, lasst uns doch alle dörflichen Kleinode überbauen, damit der Zuzugstrom aufgefangen wird und die Wohnungsnot zurückgeht, aber dies wird weder den Menschen, die im Vertrauen, in die lebenswerteste Stadt gezogen zu sein, gerecht, noch den Menschen die bereits seit langem hier wohnen. Es zählt nicht nur die Anzahl der Menschen, die man unterbringen kann, sondern auch die Qualität des Wohnens.

Abschließend zitiere ich das Wahlversprechen des Vorsitzenden der CDU-Ortsunion Gremmendorf Würfel-Elberg: „Aber bei aller Notwendigkeit, neuen Wohnraum zu schaffen, will ich mich dafür einsetzen, dass der jeweilige Charakter unserer Stadtviertel erhalten bleibt“.

Wir sollten ihn beim Wort nehmen!

2 Gedanken zu „Antrag abgelehnt

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