Briefwechsel mit Thomas Fastermann

Einen Tag nach dem der Planungsausschuss der Bauleitplanung im Bereich Gremmendorfer Weg / Loddenbach mehrheitlich zugestimmt hat, schickt SPD-Ratsherr Thomas Fastermann eine E-Mail an die Bürgerinitiative, in der er auf das Schreiben an die Ausschussmitglieder antwortet. Mit seiner Erlaubnis geben wir hier sein Schreiben (und unsere Antwort darauf) wieder:


13.03.2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch im Namen meiner Fraktion danke ich Ihnen für Ihre Nachricht und möchte Ihnen gerne antworten.

Sie haben sicher mitbekommen, dass der Planungsausschuss heute der Einleitung des Bebauungsplan-Verfahrens zugestimmt hat. In diesem Verfahren werden alle Detailfragen intensiv untersucht und am Ende auch abgewogen.

Die Schaffung von neuem und bezahlbarem Wohnraum ist für uns ein wichtiges Anliegen. Die Zahl und Größe der Fläche im unbebauten Innenbereich ist aber nicht unbegrenzt. Und selbst in der ehemaligen Garnisonsstadt Münster gibt es nicht unendlich viel Fläche von ehemaligen Kasernen. Die Zahl der Wohneinheiten, die auf der ehemaligen York- und Oxford-Kaserne realisiert werden können, decken nicht annähernd den Bedarf, den Münster in den nächsten Jahren hat. Darum müssen wir auch nach neuen Flächen suchen. Und die in Rede stehende Fläche kommt aus unserer Sicht dafür grundsätzlich in Frage.

Dabei geht es uns auch um die Preisigkeit der geplanten Wohnhäuser. Sie unterstellen, dass es dort zu Immobilienpreisen komme, die unerschwinglich seien. Genau dagegen richtet sich aber eine Zusage des Vorhabenträgers, die wir in einem städtebaulichen Vertrag auch verbindlich festschreiben werden. Zudem werden bei der Vergabe eines angemessenen Anteils der Grundstücke die städtischen Vergaberichtlinien zur Anwendung kommen, die sicherstellen, dass auch Menschen mit mittleren Einkommen sich die Schaffung von selbst genutztem Wohneigentum ermöglichen können.

Ich weiß, dass Veränderungen im näheren Umfeld mit Umstellungen verbunden sind. Diese in einem verträglichen Maß zu gestalten, ist u.a. Aufgabe eines Bebauungsplanverfahrens. Dort werden u.a. die Fragen zum Umwelt- und Naturschutz berücksichtigt und abgewogen, damit die Entwicklung insgesamt verträglich ist.

Ich bin dankbar für konstruktive Beiträge. Bei der frühzeitigen BürgerInnen-Beteiligung sind etwa Hinweise zur Straßengestaltung und zum Baumbestand gekommen. Mit dem überarbeiteten Entwurf für die Verkehrsführung wird diesem weitestgehend Rechnung getragen. Darum hoffe ich, dass Sie sich auch im weiteren Verfahren konstruktiv beteiligen. Dazu bietet die formelle BürgerInnen-Beteiligung im Rahmen der Offenlegung reichlich Gelegenheit.

Bitte machen Sie mit und engagieren Sie sich für ein attraktives Gremmendorf – auch im Interesse Ihrer künftig neuen Nachbarinnen und Nachbarn. Es wird nicht alles so bleiben, wie es ist. Aber bitte engagieren Sie sich mit dafür, dass Ihr Stadtteil für noch mehr Menschen – für die „alten“ und die „neuen“ Gremmendorferinnen und Gremmendorfer ein angenehmer Wohnstandort bleibt und wird.

Freundliche Grüße
Thomas Fastermann


18.03.2015

Sehr geehrter Herr Fastermann,

ich möchte mich auch im Namen der Bürgerinitiative für Ihre ausführliche Antwort bedanken. Als Außenstehender, nur die Beschlussvorlage als Hintergrund und aus der Vogelperspektive des Rates betrachtet, würde ich Ihnen wahrscheinlich zustimmen und hätte zugleich das Gefühl, die Entwicklung unserer Stadt liege in guten Händen. Lassen Sie mich jedoch den Hintergrund etwas ausmalen und einen Perspektivwechsel vorschlagen – hinunter bis auf Augenhöhe der Menschen, die hier in Gremmendorf leben:

Der Acker, der sich beim Blick auf die Landkarte als Arrondierung der angrenzenden Wohngebiete anbietet, ist das isolierte Planungsrelikt des Wohngebietes Delstrup / Zwi-Schulmann-Weg. Er war schon damals als östliche Erweiterung des Wohngebietes angedacht; die Stadt verschloss jedoch seine Anbindung über den Zwi-Schulmann-Weg mit weiteren Wohnhäusern und erklärte den Ausbau der Wohngebiete im Gremmendorfer Nord-Osten für „abgeschlossen“. Gegen dieses Baugebiet, das mit einem verträglichen Verkehrskonzept einherging, gab es übrigens keinen Widerstand der Anwohner. Einen Ausbau des Gremmendorfer Weges hatte die Stadt seinerzeit selbst für die Schaffung von 450 (!) Wohneinheiten ausgeschlossen – aus den selben Gründen, die heute die Bürgerinitiative gegen seinen Ausbau für 39 Wohneinheiten vorbringt.

Sie weisen darauf hin, dass für einige Reihenhäuser am Beckamp städtische Vergaberichtlinien zur Anwendung kommen, die Wohneigentum auch für Menschen mit mittlerem Einkommen ermöglichen sollen. Wir kennen keine Preise für die Häuser, die dort entstehen sollen. Das Stadtplanungsamt beteuert, ebenfalls keine Preise zu kennen, weil der Investor die Preise bestimme. Der Investor gibt keine Preisauskünfte. Uns bleibt nur eine Hochrechnung: Vor knapp zehn Jahren hat der selbe Investor am Franz-Beiske-Weg ein bereits angebundenes Wohngebiet in fast identischer Bauweise realisiert. Was diese Häuser seinerzeit kosteten, ist bekannt. Wenn Sie die Baukostensteigerung der letzten zehn Jahre, den Bodenpreis für die Luxuslage am Beckamp und die Kosten für die verkehrliche Anbindung hinzurechnen, werden Sie zu einem Preis kommen, der – auch nach Abzug einer verordneten Förderquote – deutlich mehr als ein „mittleres Einkommen“ voraussetzt. Es gibt ganze Straßenzüge von leerstehenden Häusern in Gremmendorf, die für mittlere Einkommen erschwinglich wären. Sie werden dennoch als zu teuer bezeichnet und finden kaum Käufer.

Konstruktive Kritik setzt zunächst sachliche Informationen voraus und benötigt einen Gesprächspartner. Die umstrittene Bürgeranhörung im Juni vergangenen Jahres hatte zahlreiche Fragen aufgeworfen, die bis heute unbeantwortet sind. Seitdem bemüht sich die Bürgerinitiative um Aufklärung. Bis heute sind alle Versuche, dahingehend über die Politik auf die Verwaltung einzuwirken, gescheitert: Sie wurden ignoriert, wie z.B. eine formelle Aufforderung der Bezirksvertretung Münster Süd-Ost, oder ans Ende der planungsrechtlichen Kette verschoben, wie die Anregung von 1.159 Münsteraner Bürgern an den Oberbürgermeister.

Statt dessen erleben die Gremmendorfer Bürger, dass die Ratsgremien über eine Beschlussvorlage abstimmen sollen, die wesentliche Aspekte der Planung verschweigt oder beschönigt. Ein Beispiel: Die Anwohner würden gerne glauben, dass die geänderte Planung zum Ausbau der Straße den Baumbestand schont. Leider gibt es dafür keine belastbare Grundlage. Bei der Bürgeranhörung hieß es zunächst, dass vier Bäume gefällt werden müssen. Weitere Auswirkungen des Straßenbaus hatten weder der Investor noch das Planungsamt betrachtet. Erst unter dem Druck der Bürger kam es zu einem Gutachten mit dem erschütternden Resümee, dass 50 von 65 untersuchten Bäumen langfristig fallen müssen, dazu eine ungenannte Anzahl von Bäumen in den angrenzenden Waldflächen. Hier hatten der Investor und das Planungsamt einen unbequemen Sachverhalt schlicht ausgeblendet. Zu der jetzt vorliegenden Straßenplanung sagt die Beschlussvorlage, dass fünf Bäume gefällt werden müssen; ein Gutachten über die langfristigen Auswirkungen der neuen Planung liegt nicht vor. Wie viel Vertrauen würden Sie als betroffener Bürger dieser Vorlage entgegen bringen?

Dass Gremmendorf vor gewaltigen Veränderungen steht, ist uns bewusst. Wenn Sie die letzte kleinräumige Bevölkerungsprognose, die aktuelle Nachverdichtung und die noch nicht eingepreisten Britenstandorte zusammen zählen, werden Sie feststellen, dass der Stadtteil in wenigen Jahren um mehr als 50 Prozent seiner Einwohner wachsen soll. Vor diesem Hintergrund erleben wir gerade einen Goldrausch im Bau hochpreisiger Wohnungen, wozu auch der Bebauungsplan für den Beckamp zählt. Wir würden uns gerne an einem offenen Dialog über das Gremmendorf von morgen beteiligen. Dazu gehört allerdings auch, die wenigen unzerstörten Strukturen in diesem Ortsteil nach Möglichkeit zu bewahren.

Lassen Sie mich noch einmal Danke dafür sagen, dass Sie sich über die Tagesordnung hinaus mit dem Anliegen der Bürgerinitiative beschäftigt haben. Ich würde mich sehr darüber freuen, unsere Diskussion in einem persönlichen Gespräch fortsetzen zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Roth

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

+ siebenundfünfzig = sechzig